
The E.xpanded A.coustic R.ecording process
.... es began mit einer Sammlung von Samples, die aus alten Produktionen (zeitraum 1950-1979) stammten. Aus der Notwendigkeit heraus, neue Samples zu erstellen,die möglichst nah am Original klingen und trotzdem nicht das Masterrecht verletzen. Als logische Weiterführung kam es zu Albumproduktionen, die bewußt in eine gewisse Zeit hineingeboren wurden und zu einer Routine mit Handwerks-charakter!
Dieses Rekreieren bedarf einiges an Recherche und - wie Bruce Swedien einmal sagte: usually a great session starts with great musicians !
Das integrieren von Musikern, in den 90ern fast ausgerottet, ist ein wichtiger Bestandteil. Je mehr Leute an der Session beteiligt sind, desto spannender wird es. Der E.A.R. process beginnt also mit dem Arrangement, daß die Musiker spielen, setzt sich fort mit der Raumakustik im (gemeinsamen) Aufnahmeraum. Wenn dies alles stimmig ist, wird's es technisch: je nach Instrument wird die Type, Charakteristik und Position des jeweiligen Mikros bestimmt.
Mit dem Jahrzehnt, in dem sich die original Aufnahme ereignete sind auch die Mikros nach Baujahr zu wählen. Das gleiche gilt für Preamps und - in manchen Fällen auch für Kabel ! Es gab nun mal 1956 kein super Sauerstoff/Farbstoff freies Kabel und so wie dieses Aspekt heute große Beachtung erfährt, so ist er auch klangformend auf alten Aufnahmen zu hören !
Aufgenommen wird mit 24 Bit / 96 kHz, gemischt wird (wieder) auf Analogband 1/2 Zoll stereo (solid state Bandmaschine) oder 1/4 Zoll stereo (vollröhren Bandmaschine) - Band, welches es mittlerweile wieder neu zu kaufen gibt (www.rmgi.nl).
Puristen würden hier auch noch original alte Bänder verwenden, doch damit sind der Technik grenzen gesetzt: Bandmaterial beginnt sich (je nach Formel, Marke und Baujahr) nach Jahren zu zersetzen, und hiermit unbrauchbar zu werden.
Dieser Aufwand findet bei Eqs, Kompressoren und Effekten seine Fortsetzung, kann aber in der digitalen Ebene teilweise mit hervorragenden Ergebnissen als plug-ins realisiert werden. Auch hier gilt, passt das Baujahr ungefähr mit dem Jahr der Aufnahme zusammen, hat man schon das nötige Maß an Beschränkung, um die Bedingungen von damals zu simulieren.
Nur als Beispiel: 1958 gab es weder Eqs mit durchstimmbaren Frequenzbereichen, noch VCA-Kompressoren oder digitale Hallgeräte. Verwendet man hier Teile (oder Simulationen - z.b. Universal Audio oder Waves) aus dieser Zeit, wird einem klar, worum es geht:
Ein Pultec Eq kann nur begrenzt drastische Eingriffe in ein Signal bieten, ein LA2-A opto Kompressor bietet weder attack noch release Regler - wenn's immer noch nicht passt, muss das Mikro oder die -Position getauscht werden!
Effekte waren immer das Tor zu neuen Sounds - auch hier: das Jahrzehnt im Zielvisier peilt man mit Extra-Bandmaschinen als Echogerät und original Plattenhall aus 1961 an! Keinerlei Millisekunden-Anzeige, nur das musikalische Gehör zählt, um die optimale Zeitkonstante einzustellen.
Das Ergebnis? Es ist wie in der Küche: optimale, natürliche Zutaten ergeben fast immer ein besseres Resultat als modernste Materialschlacht !